Recherchearbeit: Konsumverweigerung bedeutet Geisteskrankheit?

Die lokale Tageszeitung, die ich über die letzten paar Jahre bezog, aber kürzlich wegen unseres Umzugs abbestellte, bringt auf der Seite „Schaufenster“ immer ein „Zitat des Tages“, wie es viele andere Zeitungen sicher auch tun. Manchmal lese ich diese Bonmots, und neulich war ich doch sehr überrascht, neben einem Bild von Brad Pitt und ihm zugeordnet das Zitat „Konsumverweigerung bedeutet Geisteskrankheit.“ zu lesen. Sowas aus dem Munde von Brad Pitt?

Nach ein wenig Recherche war meine Verwunderung auch sehr schnell aufgeklärt: Pitt muss diese Worte wohl in seiner Rolle als wahnsinniger Jeffrey Goines im Film „Twelve Monkeys“ gesagt haben. Während ich die deutsche Synchronisationsübersetzung auf die Schnelle nicht gefunden habe, war das mit dem englischen Originaltexte einfacher, hier also vermutlich die Stelle, auf die sich das „Brad-Pitt-Zitat“ wohl bezieht:

What are we for then? We’re consumers. Okay, buy a lot of stuff, you’re a good citizen. But if you don’t buy a lot of stuff, you know what? You’re mentally ill! That’s a fact! If you don’t buy things…toilet paper, new cars, computerized blenders, electrically operated sexual devices… (getting hysterical) SCREWDRIVERS WITH MINIATURE BUILT-IN RADAR DEVICES, STEREO SYSTEMS WITH BRAIN IMPLANTED HEADPHONES, VOICE-ACTIVATED COMPUTERS, AND…

Brad Pitts persönliche Einstellung zu diesem Thema dürfte aber wohl eher in Richtung der in „Fight Club“ vertretenen Aussagen gehen, wo er Dinge sagen darf wie „»Du bist nicht dein Portemonnaie. Du bist nicht das Auto, das du fährst.“ oder „Die Dinge, die du besitzt, werden anfangen, dich zu besitzen“, wenn man das ZEIT-Interview mit ihm aus dem Jahr 2007 liest.

Zuletzt geht es mir aber weitaus weniger darum, Brad Pitts tatsächliche Einstellung zu Konsum und Konsumverweigerung darzustellen, als vielmehr um diese eklatant verzerrende Verwendung der Rubrik „Zitat des Tages“. Doch interessant ist auch im Jahr 2008 noch immer, wie schnell man so etwas nachrecherchieren (a.k.a. „googlen“) kann.

Globalisierungs-Gedanke

Gerne hört man ja zum Thema Globalisierung und „Klimaschutz“ die Mahnung, dass jeder zweite Chinese und jeder zweite Inder bald ein Auto haben werde. Ob das wirklich stimmt, wage ich zu bezweifeln. Alleine schon die exorbitanten und weiterhin steigenden Ölpreise könnten eine solche Entwicklung bremsen.

Aber es liegt auch am Westen, dies zu verhindern. Vor allem an westlichen Automobilkonzernen. Wenn man nämlich gar nicht erst anfangen würde, den Menschen dort das Fortbewegungsmittel Auto als ein Symbol von Freiheit und Individualismus zu verkaufen, würde das künstlich erzeugte Bedürfnis nämlich nicht den tatsächlich vorhandenen Bedarf so weit übersteigen, wie es bei uns der Fall ist.

Doch ich fürchte, da könnte ich gleich vorschlagen, der Papst solle doch bitte das Beten sein lassen.

Wohl doch zu früh gefreut…

Heute hat die Elektro-Service-Firma den Montage-Termin für unser Kabel-Modem (für Internet- und Telefon-Anschluss) abgesagt, der Auftrag wurde ihnen aus Gebietsschutzgründen nachträglich entzogen.

Unser Frust, der sich vor allem auf die mangelnde Kommunikationsbereitschaft unserer Hausverwaltung bezieht (hinter den Kulissen scheint ja doch einiges zu passieren…), steigt. Man muss sich das mal vorstellen: am 9. Februar haben wir bestellt… mehr als zwei Monate später haben wir noch immer keinen Internet-Zugang oder Festnetz-Anschluss.

Heuchelei im Umgang mit der Linken

Auch ich habe meine Probleme mit der sogenannten Linken, vor allem gegen ihre weltfremden Forderungen. In der Öffentlichkeit schreien sie zum Beispiel gerne „weg mit Hartz IV“, ohne Alternativen zu benennen. Doch ein Blick auf die Website der Linken zeigt ein anderes Bild, dort wird „die sofortige Anhebung von Hartz IV“ gefordert, also etwas ganz anderes als die Abschaffung. Auch die SED-Vergangenheit vieler Mitglieder stößt mir persönlich sauer auf. Doch ähnliches trifft ja auch für die von CDU und FDP assimilierten „Blockflöten“ zu.

Doch wenn man sich nun die aktuelle Aufregung über angebliche DDR-Sympathisanten anschaut, so ist das für mich in Anbetracht der politischen Wirklichkeit in der Bundesrepublik Deutschland pure Heuchelei. Wenn man sich nur mal anschaut, wie unser Rechtsstaat quasi ausser Kraft gesetzt wurde, um für den G8-Gipfel in Heiligendamm den „präventiven Sicherheitsstaat“ umzusetzen, kann man jegliche DDR-Verharmlosung und -Verniedlichung doch nicht wirklich als Bedrohung sehen. Die Realität des Jahres 2008 ist schon weiter. Auch weiter als George Orwell es sich für sein Buch „1984“ vorstellen konnte, sei es die Vorratsdatenspeicherung oder die angedachte Weiterverwendung von TollCollect-Daten.
„Der Rechtsstaat ist nicht in Gefahr durch den internationalen Terrorismus, er kann sich allenfalls selbst in Gefahr bringen.” So der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Meiner Meinung nach ist unser Staat auf dem besten Weg, dies zu tun. Schuld daran sind nicht ominöse DKP-Mitglieder auf „Linke“-Landeslisten, sondern amtierende Politiker.