Opfer vs. Opfer

Es ging dann auf der A24 nach Osten. An der Autobahnmeisterei Hagenow erzählte der Straßenbauarbeiter Volker Berger vom Herpes, der früher auf seinen Lippen blühte, als er sich noch nicht an die Kadaver gewöhnt hatte, die er täglich von der Straße schabt. Und Berger, ein 59-Jähriger mit gegerbtem Gärtnergesicht, sprach in kargen Worten von seiner Angst, mit einer Wanderbaustelle auf der linken Spur gefangen zu sein, den Blick zurück, in die grimmigen Autogesichter. Acht bis zehn Kollegen werden Jahr für Jahr auf deutschen Straßen überrollt. Das sind mehr Tote, als die Bundeswehr aus Afghanistan meldet. Unsere Verkehrsopfer, Opfer an den Verkehr.

Henning Sussenbach in der ZEIT über die so langsam schwindende Leidenschaft: das Automobil. Etwas langer, jedoch sehr interessanter Artikel.

Über die Igel spricht natürlich weiter keiner…

Das Ende der Automobilindustrie?

Ich weiss ja nicht, aber muss man wirklich mit Hilfe von Steuergeldern dazu beitragen, dass solche Berufe weiter existieren können? Bei den meisten heutigen Automobilen steht doch das Thema Fortbewegung mittlerweile im Hintergrund, Themen wie „Emotion“ und „Individualität“ spielen anscheinend eine viel wichtigere Rolle.

Natürlich würde das Ende der Automobilindustrie den Verlust vieler Arbeitsplätze nach sich ziehen. Meiner Meinung nach müssten hierfür aber andere gesellschaftliche Lösungen gefunden werden, als diese Branche, die ihre Chancen auf zukunftsfähige Produkte wirklich verspielt hat, künstlich am Leben zu erhalten.

Globalisierungs-Gedanke

Gerne hört man ja zum Thema Globalisierung und „Klimaschutz“ die Mahnung, dass jeder zweite Chinese und jeder zweite Inder bald ein Auto haben werde. Ob das wirklich stimmt, wage ich zu bezweifeln. Alleine schon die exorbitanten und weiterhin steigenden Ölpreise könnten eine solche Entwicklung bremsen.

Aber es liegt auch am Westen, dies zu verhindern. Vor allem an westlichen Automobilkonzernen. Wenn man nämlich gar nicht erst anfangen würde, den Menschen dort das Fortbewegungsmittel Auto als ein Symbol von Freiheit und Individualismus zu verkaufen, würde das künstlich erzeugte Bedürfnis nämlich nicht den tatsächlich vorhandenen Bedarf so weit übersteigen, wie es bei uns der Fall ist.

Doch ich fürchte, da könnte ich gleich vorschlagen, der Papst solle doch bitte das Beten sein lassen.

Mobil ohne Auto: Aktionstag am Sonntag, 15. Juni 2008

Wo ich gerade beim Thema bin: am Sonntag ist „autofreier Sonntag“. Bundesweit. „Der Aktionstag ‚Mobil ohne Auto’ soll den Bürgerinnen und Bürgern einen Anstoß geben, im Alltag und in der Freizeit verstärkt umweltfreundliche Fortbewegungsmittel zu nutzen“, so die Pressemitteilung von Mobil ohne Auto in Baden-Württemberg.

Am Sonntag fällt es den meisten sicher leichter, aufs Auto zu verzichten als an Werktagen. Und ausgedehnte Radtouren unternehmen die Leute ja sowieso eher sonntags. Trotzdem hoffe ich, dass von dem Aktionstag im Bewusstsein der Menschen auch für den Alltag etwas hängen bleibt.