Kalter Kaffee – lecker!

Kennt Ihr schon Cold Brew Coffee? Was ich zunächst für „wieder so nen Hipsterkram“ hielt, stellte sich beim ersten Probieren als durchaus leckere und auch sinnvolle Kaffeezubereitung heraus. Es geht recht einfach: man gießt frisch und recht grob gemahlene Bohnen  mit „zimmerkaltem“ Wasser  auf und lässt diese Mischung (Verhältnis: 100 Gramm Kaffee auf einen Liter) für mindestens 12 Stunden ebenfalls bei Zimmertemperatur ziehen. Danach siebt und filtert man das Pulver aus dem Kaffee (ich mache dies zuerst mit einem Haarsieb, dann mit einem konventionellen Kaffeefilter). Ab in den Kühlschrank damit – fertig ist der Cold Brew Coffee.

Das Ergebnis schmeckt sehr stark nach Kaffee, ohne jedoch besonders bitter zu sein – könnte also auch für Menschen eine Alternative sein, die Kaffee nicht besonders gerne trinken oder nicht gut vertragen. Die Säure der Kaffeebohnen wird nämlich eher bei der Zubereitung mit Hitze freigesetzt. Das gilt übrigens auch für den Koffeingehalt, was aber durch das relativ hohe Kaffee-Wasser-Verhältnis beim Cold Brew ausgeglichen werden soll (was man so liest).

Ich finde, der Cold Brew Coffee eignet sehr gut als Basis für Eiskaffee mit Vanilleeis – besser als herkömmlicher, erkalteter Kaffee. Er schmeckt aber auch pur auf Eis sehr gut (mir sogar ohne Zucker, wobei ich heißen Kaffee sonst eher süß trinke). In den USA wird Cold Brew auch mit Tonic serviert, er eignet sich jedoch auch noch für eine Vielzahl weiterer Kreationen. Im Kühlschrank kann man das Konzentrat übrigens gut ein paar Tage aufbewahren.

In die deutschsprachige Wikipedia hat diese Form der Kaffeezubereitung noch nicht Einzug gehalten, vielleicht fühlt sich ja jemand berufen, dies nachzuholen.

Gedanken zum Lauftraining

Seit kurz nach Ostern nehme ich ja an der Anfängergruppe des Lauftreffs am Marienbergpark in Nürnberg teil, wie Ihr in meinem Beitrag „Es läuft“ ja bereits lesen konntet. Auch während des zweiwöchigen Segeltörns schaffte ich es immerhin, zweimal eine Stunde zu laufen, so dass die 8 Minuten-Intervalle beim ersten Training nach dem Urlaub kein Problem darstellten. Im Gegenteil: mir fiel zum ersten mal so richtig auf, wie viel Spaß mir das Laufen macht. Und das überrascht mich selbst ein wenig.

In der Jugend – vor allem im Schulsport – war ich kein guter Läufer. Wenn wir mit der ganzen Klasse einen Waldlauf machten, bekam ich schnell Seitenstechen und vor allem Frust. Ich war zwar in der Leichtathletik beim Sprint und beim Weitsprung damals nicht schlecht (es reichte immerhin mehrfach zur Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen, unterschrieben vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker). Die die „längeren“ Strecken allerdings – es ging ja nur um 1000m, also zweieinhalb Stadionrunden – lagen mir absolut nicht.

Ich glaube, das Problem damals war, dass es im Schulsport bei uns damals, soweit ich mich erinnere, eigentlich nie ein richtiges Training gab. Es wurde besprochen, was zu tun ist (laufen, springen, werfen, Turnübungen), dann übte man auf eigene Faust – und irgendwann wurde benotet. Wer schon vorher gut in der jeweiligen Disziplin war, bekam eine gute Note, wer vorher schlecht war höchstens eine befriedigende, eher eine ausreichende Note. Ich habe den Sportunterricht immer als reine Leistungsabfrage, jedoch nie als richtigen Unterricht empfunden. Es gab nie ein Versprechen, wie ich es jetzt in der Laufgruppe erleben darf, dass zum Beispiel bis zu den Sommerferien jeder einen 10-Kilometer-Lauf schaffen würde.

Es bringt natürlich nichts, der Vergangenheit hinterher zu trauern. Doch darum geht es mir auch gar nicht. Sondern vielmehr um die Freude an der Bewegung, die ich (wieder-)entdeckt habe – und die Begeisterung darüber, wie man mit einem guten Plan und mit einem langsamen Einstieg in relativ kurzer Zeit merkliche Verbesserungen erreicht. Und dann fühlt es sich auch nicht nach einer ätzenden Verpflichtung an, sondern macht in meinem Fall sogar richtig Spaß!

 

PMI – PMO: 592 nm

Vor zwei Wochen haben wir mit der Segelyacht PlanB, einer Hanse 400, Baujahr 2006, in S’Arenal (Mallorca) abgelegt. Heute morgen flogen wir von Palermo zurück nach Nürnberg. Dazwischen lagen 592 Seemeilen faszinierendes Mittelmeer in sechs Etappen.

Nach unserer Anreise ging es am nächsten Morgen gleich auf See. Der erste Schlag war dabei auch gleich der längste: von Mallorca nach Sardinien fuhren wir vier Tage und drei Nächte durch. Für die meisten an Bord absolutes Neuland. Der Wachwechsel im Vier-Stunden-Takt hatte sich allerdings recht schnell eingependelt. Welle und Wind kamen leider beide aus Ost, so dass wir zwar tagsüber ab und zu etwas gegenan kreuzten, den Großteil der Strecke jedoch unter Motor zurücklegen mussten.

Im Großen und Ganzen waren wir auf dieser Strecke recht alleine unterwegs,  nur selten tauchten andere Schiffe am Horizont auf und sorgten kurzzeitig für ein wenig Ablenkung von der gegen Ende des Schlags immer ruhiger werdenden See.

Am Morgen des vierten Tags erreichten wir Sardinien, nachmittags machten wir in der Marina Sant’Elmo in Cagliari fest. Die sardische Hauptstadt und größte Stadt der Insel zog uns gleich in den Bann, Erinnerungen an Palma de Mallorca oder gar Barcelona wurden wach, doch Cagliari hat ganz unzweifelhaft einen eigenen Charakter. Ihre Sehenswürdigkeiten und die sardische Küche erkundeten wir in den nächsten beiden Tagen ausführlich.

Am Samstag verabschiedeten wir in Cagliari ein Crewmitglied, das die Heimreise anzutreten hatte und segelten etwa 40 Seemeilen weiter in Richtung Südosten. Der kleine Ort Villasimius sollte unser Sprungbrett in Richtung Sizilien werden. Wir verbrachten einen Nachmittag am Strand, das Meer lud zum Baden ein, auch wenn es eigentlich nicht richtig heiß war. Das ausgewählte Restaurant am Rande der Marina war leider wenig empfehlenswert.

Früh morgens, bei Sonnenaufgang um sechs Uhr, stachen wir am Sonntag wieder in See, der nächste große Schlag. Nachdem wir das Capo Carbonara und die Isola dei Càvoli passiert hatten, konnten wir auch wieder die Segel setzen. Und der Wind stand diesmal sehr günstig! Bis kurz vor die Ägadischen Inseln konnten wir auf dem gleichen Kurs und gleichem Bug durchsegeln, kamen dabei auch deutlich schneller voran als unter Motor. Die See war ruhig. Nachts hörten wir über Funk bereits die tunesische Küstenwache, denn tatsächlich waren wir zur Mitte dieses Schlags wohl fast so nah an Tunesien wie an Sizilien.

Bereits am Mittag des nächsten Tages legten wir im Hafen von Favignana an. Die aufregendsten Teile unseres Törns lagen hinter uns, ab hier würden wir in deutlich kleineren Schlägen innerhalb weniger Tage Palermo erreichen. Favignana ist ein recht trubeliger Ort, nicht unbedingt sehr touristisch, mit vielen Eisdielen – und das Eis war wirklich lecker, wie wir ausgiebig testen konnten. Leider fanden wir hier keine richtige Marina vor, die sanitären Einrichtungen am Hafen bestanden aus einer öffentlichen Toilette, die nur tagsüber geöffnet hat. Nachmittags erklommen wir noch die höchste Erhebung der Insel, den Monte Santa Caterina (314 m) mit seiner spektakulären Aussicht über das ganze Archipel.

Dienstag: Ablegen in Richtung Trapani. Die siebtgrößte Stadt Siziliens enttäuschte uns ein wenig. Es scheint hier wohl ein Müll-Problem zu geben, viele ungeleerte Mülltonnen,  die ganze Stadt stank danach. Eigentlich könnte es hier sehr schön sein. In der Marina „Vento Di Maesrale“ gab es immerhin Duschen – und eine(!) Toilette. Vom nahe gelegenen Fischmarkt besorgten wir uns am nächsten Morgen zum Frühstück leckere Garnelen, später dann noch ein riesiges Stück Tunfisch für das Mittagessen.

Weiter ging es in Richtung Nordosten – San Vito lautete unser nächstes Ziel. Angelegt haben wir an einem Schwimmsteg – eine winzige Marina, sie wirkte wie ein zwei-Mann-Bertrieb. Die Wassertiefe in Strandnähe war besorgniserregend niedrig – und auch hier gab es lediglich eine tagsüber geöffnete öffentliche Toilette, immerhin mit Duschmöglichkeiten. Der Ort selbst war allerdings ein Kontrast zum schmuddelig wirkendem Trapani: San Vito ist sehr touristisch geprägt, was wohl vor allem dem schönen Strand in traumhafter Kulisse geschuldet ist.

Ein weiterer schöner Segeltag führte uns schließlich bis nach Palermo, dem Ziel unserer Reise nach 592 Seemeilen mit PlanB. Die kleine Marina Palermo – Nautica Galizzi sollte für die nächsten beiden Tage unsere Heimat und Basis für unsere Stadterkundungen sein. Ein wenig Sorge bereitete uns das am ersten Abend in unmittelbarer Nähe stattfindende Konzert von Paul Kalkbrenner, denn wir mussten quasi über das Konzertgelände, um die Marina in Richtung Stadt zu verlassen. Doch die anwesende Mischung aus Carabinieri, Polizia Municipale und Polizia di Stato war sehr hilfsbereit, ließ uns ohne große Probleme vom Gelände und auch nach unserem abendlichen Stadtbummel – das Konzert war noch in Gange – wieder in die Marina.

Palermo selbst ist sicher einen Besuch wert, auch hier wieder südländischer Großstadtflair. Selbst am Nationalfeiertag „Festa della Repubblica“ hatten viele Geschäfte geöffnet, die Stadt war belebt, aber auf entspannte Art. Wir schlenderten durch die Stadt, entspannten bei einem caffè im „Englischen Garten“ und genossen die Aussicht vom Kaufhaus la Rinascente. Abends war da durchaus mehr los, nach dem Abendessen zog es uns noch auf einen „Absacker“ in die temporäre Strandbar „Nautoscopio Arte 2017“.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von PlanB und der restlichen Crew. Da in Palermo ein Crew-Wechsel anstand und der Skipper am Sonntag auch wieder in See stechen wollte, verbrachten wir die letzte Nacht in einem B&B im benachbarten Ort Cinisi, ganz in der Nähe des Flughafens von Palermo. Auch hier hatten wir noch Gelegenheit zu einem Strandbesuch und einem leckeren Abendessen in einer vom B&B-Gastgeber empfohlenen Pizzeria, bevor wir am nächsten Morgen den Heimflug antraten.