Feinstaubalarm in Stuttgart

Diese Woche wurde in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zum ersten Mal der sogenannte „Feinstaubalarm“ ausgelöst. Wegen erhöhter Abgasbelastung bei bestimmten Wetterlagen sollen die Autofahrer ihre Autos freiwillig stehen lassen, außerdem sollen sogenannte „Komfortöfen“, die mit Holz befeuert werden, in dieser Zeit nicht betrieben werden.

Wie es im Autofahrerland Deutschland und vor allem in der Stadt von Daimler, Porsche und Bosch nicht anders zu erwarten war, blieb der erhoffte Erfolg dieser „Maßnahme“ (eigentlich war es ja nur eine sehr teure Bitte) natürlich aus, nur wenige Fahrer stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um, die Feinstaubwerte stiegen in der Woche des Alarms sogar an. Noch nicht einmal der Koalitionspartner der Grünen in der Landesregierung nahm den Feinstaubalarm ernst.

Ich hatte ja zuerst den Verdacht, dass gerade durch die Tatsache, dass die Grünen in Stuttgart den Oberbürgermeister und im Land den Ministerpräsidenten der grün-roten Regierung stellen, bei vielen Autofahrern der Eindruck entstehen könnte, wenn schon die Grünen das Autofahren nicht verböten, dann könne es ja wohl nicht so schlimm sein mit dem Feinstaub. Doch anderseits nehmen die hysterischen Reaktionen zur Aufforderung, das Auto stehen zu lassen, in den „sozialen“ Netzwerken ähnliche Ausmaße an, wie damals, als die BILD-Zeitung im Wahlprogramm der Grünen den sogenannten „Veggie-Day“ entdeckt hat und die Angst vor dem völligen Fleischverbot heraufbeschwor.

Hinzu kommt noch, dass der öffentliche Nahverkehr im Raum Stuttgart als besonders teuer gilt und die Kapazitätsgrenzen zu den Stoßzeiten bereits erreicht scheinen, vor allem in den Zubringerzügen aus der Region, die außerdem nicht den engen Takt der Stuttgarter Stadtbahn erreichen, für Umsteiger vom Auto wohl zu unflexibel sind.

Es ist ja in Stuttgart und vielen anderen deutschen Städten völlig klar, das etwas gegen die gesundheitsschädlichen Abgaswerte getan werden muss und Einschränkungen für den Autoverkehr unvermeidlich sind. In Stuttgart wäre hier vor allem in Sachen OPNV noch viel zu erreichen, doch leider verbaut man sich mit dem Tiefbahnhof einige Optionen. Denn einerseits wird der Kellerbahnhof Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr haben und andererseits stehen dem Land durch die hohen und steigenden Kosten die nötigen Mittel nicht mehr zur Verfügung, um zusätzliche Züge zu bestellen. Der Verkehrsclub Deutschland befürchtet sogar, der Fahrplan könne ausgedünnt werden. Auch bei der Stuttgarter Stadtbahn kommt es wegen Bauarbeiten für „Stuttgart 21“ zu langfristigen Ausfällen und Umleitungen. In einer solchen Situation wird ein nötiges Fahrverbot bei erneutem Feinstaubalarm wohl kaum umzusetzen sein.

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