Der Werbespot mit dem Opa

Die meisten werden diesen hoch-emotionalen EDEKA-Weihnachtswerbespot wohl bereits gesehen haben, in dem ein alter Mann seinen Tod vortäuscht, um seine in die ganze Welt zerstreute Familie zum Weihnachtsfest einmal wieder bei sich zu Hause versammeln zu können. Es gibt wohl viele Gründe, ihn zu kritisieren. Doch aus Werber-Sicht hat man vermutlich „alles richtig gemacht“, der Film ist ein viraler Erfolg in den sozialen Netzwerken. Für sich genommen mag der Werbespot ein gefühlsschwanger aufgemachter Kurzfilm mit der altbekannten „Driving Home for Christmas“-Message sein, aber eigentlich bleibt bei mir vor allen eine Botschaft der absoluten Verzweiflung übrig. Wer würde denn sonst zu der drastischen Maßnahme greifen, seinen eigenen Tod vorzutäuschen? Und irgendwie spiegelt sich diese Verzweiflung auch in den Bemühungen der Werber wider. Klar, der messbare Erfolg der Reichweite ist jetzt wohl vorhanden, aber man sah sich wohl nicht in der Lage, diesen Erfolg auch ohne solch eine verzweifelte Maßnahme der maximalen Gefühlsstrapazierung hinzubekommen. Ein Schock-Effekt, der an Benetton-Werbung

Was mich an dem Spot am meisten stört, ist das EDEKA-Logo am Ende. Denn außer „heimzukommen“ sollen wir ja nach Meinung der Werber und des Lebensmittel-Händlers auf keinen Fall das Konsumieren, von den Werber natürlich liebevoll „Genießen“ genannt – vergessen. Ich frage mich allerdings, wem in einer Situation wie der im Werbespot dargestellten noch den Sinn nach Genießen stünde. Ich überlege es mir nun jedenfalls zweimal, ob ich wieder einmal zu Edeka gehe.

Ein Gedanke zu „Der Werbespot mit dem Opa

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