Suis-je vraiment Charlie ?

Der Mordanschlag auf die Redation des französchien Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hat mich in sofern auch ein wenig an den „11. September“ zurückdenken lassen, weil ich mich dabei ertappte, danach wieder zum Nachrichtenjunkie zu werden und kaum noch vom Radio weg kam, um ja keine Entwicklung zu verpassen. Doch die Tat selbst erinnert mich eher an die Schulmassaker von Columbine oder Winnenden, der Tod der mutmaßlichen Mörder kurz darauf gar an die Geschichte der NSU in Deutschland. Es ist alles sehr verwirrend und ganz bestimmt nicht so einfach zu erklären, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Während nun Merkel und andere Verfechter der Pressefreiheit in Paris auf die Straße gehen um zu demonstrieren (Reporter Ohne Grenzen dazu – via Fefe), hatte doch zum Beispiel vor drei Jahren noch die CSU in ganz ähnlichen Zusammenhängen gar eine Verschärfung der Blasphemie-Paragraphen in Deutschland gefordert. Die gleichen Leute übrigens, die jetzt die Mordanschläge in Paris für eine weitere Einschränkung der Privatsphäre und noch schärferer Überwachung aller Bürger instrumentalisieren, wie auch Merkels Innenminister De Maizière.

Man muss schon die „Qui bono“-Frage bemühen, um die Meldungen aus Paris und das schnelle Eliminieren der Mörder durch die französische Polizei einzuordnen. Der islamischen Welt nutzen die Anschläge sicher nichts, die Freunde des sogenannten Abendlandes, die derzeit in Deutschland auf die Straße gehen, werden sie sicher ebenso für Propagandazwecke auszunutzen wissen wie die Kanzlerin mit ihrem Paris-Besuch.

Hier noch ein Artikel von Noam Chomsky, der die Anschläge noch in eine ganz andere Perspektive setzt, wenn er an die NATO-Luftschläge gegen das serbische Fernsehen im April 1999 erinnert, bei denen etwa 30 Journalisten und Mitarbeiter umgebracht wurden. Oder die US-Angriffe auf die irakische Stadt Falludscha mit der Besetzung des dortigen Krankenhauses, das bis dahin vor allem für Meldungen über zivile Kriegsopfer der amerikanischen Angriffe verantwortlich war.

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