Drohnenlieferungen und Paketdienstwahn

Über einen Artikel bei Mit-Ironblogger Frank bin ich auf einen Kommentar des FOCUS-Online-Experten(?) Michael Haberland über das durch die „Generation Amazon“ verursachte Verkehrschaos gestoßen. Zuerst wollte ich einfach bei Frank im Blog einen Kommentar hinterlassen, bis ich mich erinnerte, dass ich zu diesem Thema auch noch was im Entwurfsordner liegen hatte. Hier also mein Lieferdienst-Rant.

Früher, da kamen Päckchen mit der Post. Vielleicht nicht täglich, aber schon mehrmals die Woche. Heute wird ein Wohngebiet mehrmals am Tag von verschiedenen Paketdiensten angefahren. Das geht von DHL über UPS zu DPD und Hermes, manchmal kommen auch noch GLS und TNT. Und das sind nur die großen. Ab und zu rollt noch eine Spedition für den neuen Hometrainer an. Für solch große Bestell-Artikel ist das ja auch durchaus auch sinnvoll. Für ein dicht bebautes Wohngebiet kann die Lieferwagendichte allerdings ganz schöne verkehrliche Probleme verursachen, zumal es die Fahrer dieser Dienste ja wegen des enormen Zeitdrucks oft auch sehr eilig haben. Da wiederum gerade in Privathaushalten von berufstätigen Menschen tagsüber nicht immer jemand zu Hause ist, müssen die Paketdienste manchmal sogar mehrfach kommen. Von DHL-Empfängern hört man ja nicht selten die Geschichte, dass sie einen orangenen Benachrichtigungszettel im Briefkasten gefunden haben, obwohl sie Stein und Bein schwören, zum betreffenden Zeitpunkt zuhause gewesen zu sein. Da könnte sich der Dienst das Ausfahren mit dem Kleinlaster eigentlich gleich sparen und die orangenen Benachrichtigungszettel mit dem Postboten, umwelt- und nervenfreundlich zu Fuß oder mit dem E-Bike ausliefern.

Immerhin gibt es ja auch Alternativen zum Transporterwahn, wie etwa die Hermes-Paketshops, die allerdings von Öffnungszeiten abhängig sind, oder die Packstationen von DHL, wobei auch diese Lösung auf dem Papier besser klingt, als sie in der Praxis manchmal funktioniert: wenn zum Beispiel der Auslieferer ein Päckchen in einer überfüllten Packstation nicht unterbringen kann, dann aber die entsprechende Filiale, in der er Päckchen hinterlegt hat, nicht herauszufinden ist.

Doch die mit Warnblinker in zweiter Reihe parkenden Lieferwagen sind ja nur eine Aspekt des Transporterwahns. Von den miserablen Arbeitsbedingungen der Paketdienstfahrer will ich ja gar nicht erst reden (das haben andere außerdem schon getan). Abgestellt werden die Lieferwagen nachts und am Wochenende gerne mal im öffentlichen Straßenraum, hier sozialisieren die Paketdienstleister im Prinzip die Abstellkosten für ihre Fahrzeuge. So wird die „Generation Amazon“, um bei diesem Terminus zu bleiben, zu einer Art Zauberlehrling, der den Schaden seiner Bequemlichkeit nicht abzuschätzen vermag. Ich nehme mich persönlich hier gar nicht aus, denn ich habe auch schon das eine oder andere über das Internet nach Hause bestellt, vor allem Bücher, aber auch Kleidung oder Wein. Mittlerweile nutze ich aber wieder bevorzugt den lokalen Einzelhandel für solche Dinge.

Hoffnung soll vom Himmel kommen. Genauer gesagt, die Lieferung von Paketen per Drohne. In Anbetracht der möglichen Hindernisse darf man dies wohl derzeit noch als Marketing-Gag der Firma Amazon abtun, auch wenn diese in Großbritannien derzeit wohl wirklich nach Drohnenpiloten sucht. Aber selbst Amazon sieht seinen Lieferdienst „Prime Air“ wohl eher für Leute mit schicker Villa im Grünen und designiertem Quadcopter-Landeplatz, wie der Werbespot annehmen lässt, die Eigentümer eines gewöhnlichen Mietshauses werden kaum ein zweites Häuschen neben dem für die Mülltonnen aufstellen, damit die Drohnen für Lieferungen an Mieter einen sicheren Landeplatz haben. Und wenn sogar bald Hunde per Drohne ausgeführt werden oder Renault tatsächlich mit einer in einer vernetzten Welt geradezu anachronistisch wirkenden Scout-Drohne auf den Markt kommen sollte, wird es in den Wohngebieten auch mit Drohnen-Technik nicht ruhiger, sondern eher noch voller und lauter. Ein neues Feld für Technikethiker?

Artikelbild: CC BY-SA 3.0 Source: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2malKurierdienst.JPG

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