Europäischer Mauerfall

Wold Biermanns „Ansprache“ zum 25. Jahrestag des Mauerfalls hat für einigen Wirbel gesorgt. so dass an diesem Tag eine andere Aktion fast ein wenig unterging: Das Zentrum für Politische Schönheit hatte vor den Gedenkfeiern am 9. November die 14 weißen Kreuze zum Gedenken an die Mauertoten der DDR in Berlin abmontiert, um sie zu den Maueropfern von heute, an Europas Außengrenzen, zu bringen und damit den „Ersten Europäischen Mauerfall“ einzuleiten.

Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete die Kunstaktion als „Diebstahl“ und warf den Aktionskünstlern „blanken Zynismus“ vor. Dabei empfinde ich den Umgang der Regierungen Europas mit den Flüchtlingen aus aller Welt weitaus zynischer und es wäre wohl sinnvoller und menschlicher, etwa eine Europäische Seenotrettung aufzubauen (siehe auch die Aktion von Pro Asyl), anstatt zum Beispiel die EU-Grenztruppe Frontex militärisch hochzurüsten und gleichzeitig mit Waffenlieferungen in Krisengebiete die dortigen Konflikte weiter anzufeuern und noch mehr Menschen zur Flucht zu zwingen.

Die „gestohlenen“ Gedenkkreuze in Berlin sind übrigens längst wieder an ihrem Platz.

Hier weitere Kommentare und Artikel zum Thema:
Mauertote versus Frontexopfer (Martin Kaul, taz)
Im Schatten der Mauer (Ines Kappert, taz)
Im Zweifel für die Freiheit (Rüdiger Schaper, Tagesspiegel)
Grenzen einreißen (Juliane Löffler, Der Freitag)

Artikelbild basierend auf: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von noborder network

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