Dadam? Spamda?

Spam oder Kunst?

Der E-Mail-Spam mal wieder. Was das langsam für Blüten treibt, ist echt unglaublich. Mich erinnert es mehr und mehr an Dadaismus. Ich habe das Gefühl, im Verbund mit der extravaganten grafischen Gestaltung dieser „Nachrichten“ entsteht hier eine ganz neue, eigene Kunstform… jedenfalls ist wohl selbst ein David-Lynch-Film einfacher zu verstehen.

Hardcopy-Spam

Auch ich habe eine Postkarte von TeNo bekommen. Die Sache ist leicht erklärt: für einen Blogbeitrag über die Postkartenaktion oder einen Kommentar im TeNo-Blog zu diesem Thema bekommt man „kostenlos „ein T-Shirt.

Nun dachte ich mir zuerst „Wow, ich werde in der Blogosphäre wahrgenommen“ und war auch schon kurz davor, darüber zu bloggen, oder ins TeNo-Blog einen Kommentar zu setzen. Aber das Design des T-Shirts gefällt mir absolut nicht, um es mal freundlich zu formulieren, weshalb ich bisher darauf verzichtet habe, darüber zu bloggen (auch wenn der Schmuck von TeNo zugegebenrmaßen ganz ansehnlich ist). Vielleicht kann man das Shirt ja auch in Uni bekommen

Doch je länger ich über die sicher auch nett, aber vor allem wohl erst mal werblich gemeinte Postkartenaktion nachdenke, desto mehr störe ich mich daran. Ich vermute mal, das TeNo Blog hat meine Adresse hier aus dem Impressum und nicht von einem Adresshändler. Nun frage ich mich, wo ist der Unterschied zum E-Mail-Spam, ausser dass es nicht in meiner E-Mail-Inbox, sondern in der Inbox ein Stockwerk tiefer gelandet ist. Bei wenigen Aktion ist das ja OK, aber wenn das auch nur Auswüchse annehmen würde, die einem hundertstel des E-Mail-Spams hätten, müsste ich meinen Briefkasten mehrmals am Tag leeren – der „Keine Werbung einwerfen“-Spamfilter am Briefkasten funktioniert bei persönlich adressierter Post ja nicht. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich vielleicht eine Warenprobe zugeschickt bekomme oder eine unverständliche E-Mail, die (vermutlich) Werbung für ein Potenzmittel macht, aber der Geist dahinter ist wohl der selbe.

Mir geht es hier sicher nicht darum, TeNo an den Spammer-Pranger zu stellen, das war die erste und einzige Post dieser Art, die ich je erhalten habe, aber die Geschichte hat mich zum Nachdenken angeregt. Auch über Impressum-Pflichten und ähnliches.

Mike Schnoor hat übrigens eine Umfrage zum Umgang mit solcher oder ähnlicher Post gestartet.

Den Teufel an den Zaun von Heiligendamm gemalt?

Christian Semler kommentiert in der taz die Razzien gegen G-8-Gegner in Berlin, Hamburg, Bremen und anderen Städten. Anlass der Razzien war ja der „Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung“.

Könnte man oberflächlich zuerst einfach eine Einschüchterungstaktik gegen potentielle Gegener dieses „informellen Treffen“ der G-8-Staatsoberhäupter als Motivation hinter den Razzien vermuten, schwelt tief unten ein weitaus schlimmerer Verdacht: sollten tatsächlich Verfahren nach § 129a StGB – „Bildung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ erfolgen, könnte der Staat wohl in Zukunft auch gegen friedliche Gipfelgegner noch einfacher vorgehen, da man diese einfach als Unterstützer einer terroristischen Vereinigung abstempeln könnte. Protest gegen den Gipfel, in welcher Form auch immer, wäre repressionsfrei wohl kaum noch möglich.

Weht daher der Wind hinter Schäubles „Stasi 2.0“-Bemühungen?

Siehe auch Florian Rötzer: Präventivstaat in Aktion in Telepolis